Hochzeitstorte (überschätzt unterschätzt verschätzt) – oder – Warum habe ich nicht auf meine innere Stimme gehört?

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Die letzten Wochen waren auf meinem Blog sehr ruhig, das hatte auch seinen guten Grund. Da dies ein besonderes Projekt für mich war, wollte ich meiner allerersten Hochzeitstorte auch einen besonderen Beitrag widmen. Geplant ist eine Art Tagebuch mit dem gewissen Augenzwinkern. Dazwischen ein paar Überlegungen wie alles werden sollte, könnte, müsste. Schon jetzt entschuldige ich mich für die Länge und nehme es nicht Übel, wenn ihr nur die Bilder betrachtet – oder einfach nicht weiter lest 🙂 Das Projekt Hochzeitstorte hat mich von Beginn an mächtig in Beschlag genommen. Die jeweiligen Rezepte zu den einzelnen Torten, deren Füllungen und Ummantelungen sowie die Herstellung und die verwendeten Hilfsmittel, werde ich dann nach und nach als Beitrag veröffentlichen.

Aber von Anfang an:

Begonnen hat alles mit der Nachricht, dass mein bester Freund seinen langjährigen Partner heiratet.

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Gebürtig aus Pforzheim lebt er schon seit einigen Jahren in Berlin. Das Ereignis wurde bereits lange im Vorfeld auf den 15. Mai 2015 gelegt und die Freude darüber war bei Familie, Freunden und Bekannten natürlich riesengroß. Zumal der in Berlin Lebende die standesamtliche Trauung in seiner (und meiner) Heimatstadt Pforzheim durchführen wollte – immerhin 550 km Luftlinie entfernt.

Das war im Herbst 2014. Ungefähr zur gleichen Zeit habe ich mit meinem Blog hier angefangen, wie die Zeit vergeht.

Kleiner Sprung in die Zukunft.

Der Hobby-Bäcker und – das muss ich jetzt mal sagen – das Großmaul Robert Baier – euch allen besser bekannt unter Robby(licious) – meinte in einer lockeren Runde, er könne doch als Überraschung für das Bräutigam-Paar eine dreistöckige Hochzeitstorte beisteuern. Und unter „lockerer Runde“ meine ich, dass ich schon das eine oder andere Glas Wein intus hatte. Den Vorschlag an sich hatte ich natürlich nicht richtig durchdacht, aber gesagt ist gesagt und eine neue Herausforderung nehme ich gerne an – oder auf Neudeutsch: Strukturiertes Verlassen der eigenen Komfortzone – und nachdem alle Anwesenden zustimmten habe ich mit der Recherche begonnen. Das war alles Anfang März 2015 und ich hatte mir die Hochzeitstortensuppe selbst eingebrockt.

Bis auf meine Kenntnisse aus einem Torten-Dekorieren-Seminar musste ich bei Null anfangen. Zumal ich noch nie mit Fondant gearbeitet hatte (auch nicht in dem Seminar) und mir auch sämtliche Hilfsmittel fehlten. Allerdings sollte sich das Fehlen von Hilfsmitteln als das aller-, aller-, allerkleinste Problem herausstellen. Denn Fondant, Sahnestände, Drehplatten, Kuchenscheiben, Fondantglätter, Fondantausrollstange, Marzipanrosen, Tortenringe und was noch alles war wie im Shoppingwahn im Handumdrehen eingekauft. Auf die Schnelle einen Fondant-Torten-Kurs in meiner Nähe zu finden, allerdings, war ein Ding der Unmöglichkeit. Entweder ausgebucht oder der Termin war lange nach dem Trauungs-Termin.

Bestellstatus: Etwa fünf Pakete sind auf dem Weg zu mir.

Fazit: Backzubehör einkaufen ist ein RIESENSPASS.

Die eigentliche Herausforderung war somit, die richtigen Rezepte für die jeweiligen Kuchen zu finden und diese wenigstens ein Mal Probe zu backen, um sie auf Konsistenz, Tragkraft und auch Geschmack zu testen. Dabei darf man aber nicht aus den Augen verlieren, dass man auch eine kleine Schar an ehrlichen Testessern benötigt. Diese darf man natürlich nicht überstrapazieren, denn auch der beste Kuchen kann einem manchmal zu den Ohren raus kommen, ganz zu schweigen von den vielen Kalorien, die man dabei zu sich nimmt. Aber zurück zur Recherche: Rezepte, Tutorials, You-Tube-Videos gibt es wirklich sehr viele, sehr sehr viele. Und alle haben ein tolles Rezept für eine Torte, die mit Fondant überzogen wird. Und alle haben Tipps und Tricks und Do´s und Dont´s. Ehrlich – ich war erschlagen – im positiven Sinn. Was wäre ich für ein Hobbybäcker, der im geheimen Hochzeitsauftrag im Netz und in Büchern leckere Nachforschungen betreiben darf und das nicht toll findet. Am Ende hatte ich trotz der Flut an Informationen ein Bild von DER perfekten Torte im Kopf und wusste ALLES über Hochzeitstorten. Geneigte Leserin, geneigter Leser – falls ihr es überhaupt bis hierher geschafft habt – ihr könnt euch denken, was jetzt kommt.

YEP – der erste Reinfall. Es tut mir heute noch in meinem kleinen, bescheidenen Bäckerherz weh, wenn ich an die noch nicht fertige Torte denke, die im Müll gelandet ist. Es sollte doch die perfekte untere Torte werden. Doch der saftige Biskuit war einfach zu saftig und mir ist mit einem Mal alles auseinandergefallen. Eine leckere Ganache, selbst gemachte Marmelade – ich war völlig entnervt und hab das Ganze gepackt und weggeschmissen. Und dabei wollte ich doch in diesem Zuge gleich den Umgang mit dem Fondant üben. Hinterher habe ich mich geschämt, die kaputte Torte hätte ja trotzdem eine Art Biskuit-Nachtisch mit Schokomarmeladenganache geben können. Nach der Schämen-Phase kam dann die Ärgern-Phase und danach die Beim-Nächsten-Mal-Wird-Alles-Besser-Phase.

Eine Woche später: Einatmen, Ausatmen, Einatmen…ihr wisst wie es weiter geht.

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Und ich auch – ran an die Kuchenformen und frisch ans Werk. Und ja der nächste Versuch war super – perfekt – schmackhaft…und was das Beste daran ist – die Erkenntnis: mit Fondant zu arbeiten macht einen Riesenspaß. Das Ergebnis war ein etwas festerer Vanillekuchen mit einer Marmeladenschicht, weißer Ganache als Untergrund und überzogen mit Fondant. Er hat auch allen Testessern geschmeckt, wobei mich die weiße Ganache geschmacklich nicht so 100%ig überzeugt hat. Ihr könnt euch aber denken, dass mir der Geschmack erst einmal egal war – die Konsistenz (etwas fester und überhaupt nicht trocken) war meiner Meinung nach geeignet für den unteren Kuchen und vor allem das Überziehen mit Fondant hat geklappt. Das war mein Highlight. Eines muss ich noch zugeben – die kleine Torte war verdammt süß. Aber hey – ich kann Fondant 🙂

Heute schreiben wir den 16. April 2015

Ich habe ein verlängertes Wochenende vor mir. Freitag und Montag konnte ich mich von meiner Arbeit frei machen und freue mich im Moment auf die kommenden Back-Tage und natürlich auch auf die zur Verfügung stehende freie Zeit zum Faulenzen. Der Plan ist, dass ich die untere Torte mit einem etwas festeren Teig, zwei Schichten Marmelade und mit Fondant eingeschlagen fertig stelle. Dabei nicht mehr den Fehler mache, das Mehl mit dem elektrischen Mixer einzuarbeiten, sondern wie geplant unterzuheben. Ich habe ja schon eine Fondant-Torte fertig gestellt und die war ja mal so was von süß, das war dem Fondant geschuldet. Jetzt habe ich gesehen, dass es auch Fondant mit Schokogeschmack gibt – ich flippe aus – so viele Torten könnte ich gar nicht backen, um den Schokofondant zusätzlich noch zu verarbeiten. Mir reichen die vier Kilo die ich schon gekauft habe. Also wieder verworfen – alles auf Anfang – Morgen ist ein neuer Tag…der hoffentlich ne tolle Torte hervorbringt.

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In der Ruhe liegt die Kraft – ja es klingt altklug, es ist altklug, nur was soll ich sagen, es stimmte in diesem Fall. Ich habe eine Siegertorte für die untere Torte gefunden, jetzt greife ich schon wieder vor, angefangen hat alles am…

Freitag Morgen – FREI – schon mal ein toller Start in den Tag. Kein Wecker, der um 05:50 Uhr klingelt. Und dann um 05:55 Uhr nochmal – und um 06:00 Uhr nochmal bis ich mich letzten Endes aus dem Bett schäle. Ich kann mir alle Zeit der Welt lassen und freue mich schon aufs Backen. Allerdings sitze ich mit einer heißen Tasse Kaffee vor drei Rezepten und kann mich nicht entscheiden. Dann rufe ich mir die Torte nochmal in Erinnerung, bei der mir die Ganache nicht so 100%ig geschmeckt hat. Oder backe ich alle drei Rezepte? Nein – wer soll das dann alles essen – nö – eine Torte und die perfekt – das muss reichen. Die Entscheidung fiel dann auf das schon bekannte Rezept des Vanillekuchens – doch wollte ich dieses Mal eine Vollmilchschokolanden-Ganache. Also ran an die Schüsseln und Rührwerkzeuge. Für eine 24er Springform das einfache leckere Rezept, keine große Sache und der Kuchen war im Ofen. Das ist ein riesen Pluspunkt wenn ich daran denke, dass ich im Mai dann wahrscheinlich etwas mehr unter Zeitdruck stehe. Den restlichen Tag durfte ich dann in vollen Zügen genießen. Schließlich kühlt ein Kuchen von alleine aus. Das Leben kann so schön sein. Was aber von vornherein klar wurde war, dass ich nicht wie geplant den Boden zwei mal teile. Dazu war er mir nicht hoch genug und ich hatte einfach zu viel Respekt davor. Es sollte dieses Mal ja nicht daran scheitern, dass ich beim Aufschneiden den kompletten Kuchen zerstöre. Also war der Plan ein mal Teilen, schön füllen und mit Ganache einstreichen. Soweit mein Plan für den Samstag.

Der Kuchen hatte jetzt eine Nacht Zeit sich etwas zu setzen und schnittfester zu werden. Was dann auch wunderbar geklappt hat. Gefüllt habe ich ihn mit einer dünnen Marmeladeschicht und reichlich Ganache. Mit dieser habe ich ihn dann auch eingestrichen. Zurück in den Kühlschrank damit die Ganache auch fest werden kann. Die Zeit dazwischen wurde dann schön mit einer Sporteinheit und einem Nickerchen genutzt. Ich will ja schließlich auch was von dem langen arbeitsfreien Wochenende haben. Somit war der eingestrichene Kuchen dann ca. vier Stunden im Kühlschrank, was ausreichte um die Ganache fest genug für den Fondant werden zu lassen. Als ich das letzte Mal mit dem Fondant meine Premiere feierte gelang alles von Anfang an. Mich beschlich das Gefühl, dass das wohl Anfängerglück war und erinnerte mich an meine ersten Macarons. Auch hier war der erste Anlauf gelungen und der zweite ein Desaster. Darum ging ich hochkonzentriert ans Werk und legte alle Hilfsmittel akribisch bereit. Ausroller, Hilfsschienen, Stärke im kleinen feinen Sieb etc. Dann wog ich den Fondant ab – 400 gr. für diesen Kuchen reichten locker aus. Das Ausrollen lief besser als beim ersten Mal und ich ging auch mit etwas mehr Selbstvertrauen an die Sache ran. Ich will euch jetzt auch nicht auf die Folter spannen – es hat wunderbar geklappt. Das Ergebnis war eine 24cm Torte mit Schokoganache als Füllung und Untergrund für den Fondant. Geschmeckt hat sie den gleichen Testessern (und mir) besser als die vorherige mit der Ganache aus weißer Schokolade. Somit haben wir heute einen neuen Sieger in der Kategorie „Unterer Hochzeitstorten Kuchen„.

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Der weitere Plan für das nächste Wochenende (25. und 26. April 2015) ist der Biskuit für Kuchen Nr. 2 und 3. In der Zwischenzeit habe ich auch schon bei einem Berliner Versand das Bräutigam-Paar für die Kuchenspitze bestellt. Stand heute bin ich voll im Zeitplan.

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Wochenende 25. und 26. April 2015

Das Ergebnis des Test-Wochenendes ist äußerst zufriedenstellend. Ermittelt wurde der Gewinner für den mittleren Kuchen. Hierfür habe ich zwei 18 cm Biskuitböden gebacken. Nach einer Nacht im Kühlschrank habe ich die Böden angeglichen und schön gerade geschnitten und geteilt. Dazu testete ich eine Himbeer-Sahne-Füllung. Und als Mantel gab es eine Zartbitter-Ganache. Dieses Mal verzichtete ich auf das Einschlagen mit Fondant und so bekamen die Testesser eine etwas weniger süße Torte zum Probieren. Wie schon erwähnt schmeckte die Torte allen und wurde für gut befunden. Jetzt sehe ich erst Recht dem eigentlichen Back-Termin etwas gelassener entgegen und kann mich tatsächlich etwas mehr und intensiver um die Dekoration kümmern. Für das nächste Wochenende lege ich erst einmal eine Pause ein – schließlich habe ich am 02. Mai Geburtstag – den möchte ich weniger mit Backen verbringen 🙂 Und dann ist ja auch schon bald das eigentliche Ereignis – meine Güte – ich bin so gespannt.

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Tag der Arbeit – 01. Mai 2015

Kleine Planänderung – morgen ist der 01. Mai 2015 und der Feiertag wird bei mir jetzt doch genutzt, um den krönenden Abschluss der Torte Probe zu backen. Geplant ist für die kleinste der drei Torten ein Schoko-Biskuit mit einer Eierlikör-Sahne-Füllung und einer Ganache aus weißer Schokolade. Ich MUSS diese kleinen süßen Springformen (naja – eigentlich Springförmchen) einfach in der Praxis testen. Dann hätte ich auch alle drei geplanten Torten ein Mal erfolgreich und schmackhaft Probe gebacken. Sofern das mit der kleinen Torte jetzt klappt. Dann könnte ich mich wirklich etwas zurück lehnen. Doch wie ich mich kenne, fällt mir in den letzten Tagen vor der Hochzeit – am Besten so ein bis zwei Tage vorher – noch etwas gaaaaanz Tolles ein, das unbedingt mit in die Torte eingearbeitet werden muss. Oder vielleicht sollte ich doch eine vierstöckige Torte machen…jetzt wo ich ja DER Profi für dreistöckige bin. Nein – ich muss dankbar sein, dass es bis hierher gut geklappt hat – nur kein Risiko mehr eingehen.

Ich liebe Planänderungen – NICHT – aber was soll man machen. Wenn unterm Strich dann etwas Leckeres herauskommt, interessiert mich der ursprüngliche Plan sowieso nicht mehr. Der Marktbesuch war schuld – beziehungsweise diese leckeren, knallroten Deutschen Erdbeeren. Was haben die toll ausgesehen. Im Handumdrehen wurde aus der geplanten Eierlikörsahne eine Erdbeerquark-Füllung. Die kleinen Mini-Biskuits habe ich am Vortag schon gebacken, damit sie sich einen Tag im Kühlschrank ausruhen konnten. Leider, leider fehlte mir zum Stapeln ein Tortenring, da meine vorhandenen Ringe nicht bis 12cm verkleinert werden konnten. Also war freies Stapeln gefragt. Die kleine Torte war komplett schief – hier zeigte sich die Wichtigkeit von Tortenringen. Auch hier habe ich auf das Einschlagen mit Fondant verzichtet und verzierte sie lediglich mit Vollmilch-Ganache. Meine Testesser waren restlos und einstimmig begeistert. Diese Torte war der absolute Gewinner. Somit schließe ich mein letztes Testwochenende erfolgreich ab. Und die Torte nimmt jetzt auch von Innen langsam Konturen an.

Aktueller Plan nach diesem Wochenende: Untere Torte – Vanillekuchen 24cm mit Marmeladeschichten – überzogen mit Vollmilch-Ganache und weißem Fondant. Mittlere Torte – Schokobiskuit 18cm mit Erdbeer-Quark – überzogen mit Vollmilch-Ganache und rotem Fondant. Obere Torte – Biskuit 12cm mit Himbeersahne – überzogen mit Vollmilch-Ganache und weißem Fondant. Gekrönt wird alles mit einem Bräutigam-Paar. Damit die Schnittstelle ordentlich aussieht möchte ich Satinbänder als Kuchenabschluss. Dazu habe ich noch Marzipanrosen – 36 Stück. Die wollen auch auf die Torte.

Bestellstatus: Je zwei Tortenringe à 12cm und à 18cm bestellt.

Fazit: Der Platzmangel in den Küchenschränken lässt sich nicht lösen, indem man noch mehr Backzubehör bestellt. Seltsam.

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Das beinahe fatale Telefonat

Gestern (05. Mai 2015 – noch zehn Tage bis zur Hochzeit) habe ich mit Berlin telefoniert – meine Güte musste ich mir auf die Zunge beißen. Der Bräutigam rief an. Er backt gerade auch viel und ich hatte ihm gestern ein Bild von meiner neuen Gugl-Form und einem darin gebackenem Kuchen geschickt. Wollte beinahe erzählen, dass das Rezept von einem seiner Hochzeitstorten ist. Puh – ich bin so schlecht im Geheimnisse wahren, eigentlich. Ich darf auch Geschenke nicht zu lange im Vorfeld kaufen – die Beschenkten bekommen das fast immer weit vor dem eigentlichen Geburtstag. Gestern Abend jedenfalls ging es gerade nochmal gut.

Freitag, 08. Mai 2015

Die Zeit rast an einem vorbei, wenn man nicht mitrennt! Aber da die Erde rund ist, holt sie einen auch meistens wieder ein. Heute ist der letzte Freitag vor der Hochzeit und ich habe ALLES – und davon zu viel. Ich hatte ja schon erwähnt, dass ich Planänderungen etc. verabscheue. Jetzt könnte ich ja einfach KEINEN Plan machen und alles auf mich zukommen lassen. Aber das geht nicht, natürlich nicht, jeder braucht einen Plan…Moment…nein nicht jeder…ICH…brauche einen Plan. Und den habe ich auch erstellt, zumindest in groben Zügen weiß ich jetzt, welche Zutaten ich wann brauche und das ist auch schon in Ordnung so. Dazu habe ich noch (auch grob) festgelegt, wann ich was mache.

Der Kaffee wird bei schönem Wetter im Garten einer Freundin statt finden. Ja – im Garten – das ist natürlich für Fondant unter Umständen fatal (was ich so gelesen habe). Ich muss die Torte somit VOR dem Standesamt dort aufgebaut haben. Ich hoffe ja inständig, dass es nicht zu heiß wird, da in dem Fall die Torte vom Aufbau bis zum Anschneiden zu einem unansehnlichen Haufen Irgendwas zusammenbrechen könnte. Zumindest wenn man den Horrorgeschichten über missglückte Fondant-Torten im Internet traut.

Die letzten frischen Zutaten für die Torten wie Eier, Quark, Sahne und Erdbeeren kaufe ich dann nächsten Mittwoch, dem Back-Tag. Alle anderen Zutaten habe ich schon in Massen daheim. Notiz an mich selbst: 1.) Nach der Hochzeit den Back-Schrank aufräumen und Inventur machen (da spricht der Bilanzbuchhalter aus mir). 2.) Nach einem zweiten Back-Schrank Ausschau halten. 3.) Meinen Liebsten überzeugen, dass wir dringend einen zweiten Back-Schrank benötigen. 4.) Noch mehr Argumente sammeln, um den Liebsten von einem zweiten Back-Schrank zu überzeugen. Doch am Wochenende steht erst einmal ein Schönheitsprogramm an. Peeling, Maske, Augenbrauen zupfen (ja ich bin eitel), Friseur – ach das wird schön. Und die Planung des Garten-Events. Sollte es jedoch regnen, stürmen, schneien sind wir aufgeschmissen. Noch steht kein Alternativ-Programm. Ich befürchte jedoch, dass das in unserer Wohnung statt finden könnte. Die Räumlichkeiten hätten wir – allerdings muss dann erst einmal das Große Reinemachen vorgezogen werden. Mir schwant Schreckliches.

Bestellstatus: Alle Päckchen und Pakete sind angekommen.

Fazit: Jetzt – allerspätestens jetzt – gibt es kein Zurück mehr. Ich backe die Hochzeitstorte – 3-stöckig – ich kann es noch nicht fassen.

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Samstag, 09. Mai 2015

Eines ist jetzt mal sicher: Die Hochzeitsgesellschaft reist am Donnerstag aus Berlin an – vier Personen via Auto – vier via Flugzeug (allerdings landen die Flieger NICHT zur gleichen Zeit in Stuttgart) – und da die Wetterfrage uns einen Strich durch die Rechnung machen könnte, mussten wir unbedingt einen Plan machen. Zumindest einen vorläufigen – bzw. einfach mal darüber sprechen, wann was passieren muss und wo wir improvisieren können. Aus dem Grund habe ich mich dann mit unserer Freundin am Samstag getroffen. Sie ist auch die Gartenbesitzerin – und LIEBT es vorher erstellte Listen abzuhaken und Erledigtes zu streichen. Am Ende des Vormittags hatten wir schon diverse Getränke eingekauft und zentral bei ihr Daheim gelagert, da wir ja nicht wissen, ob die Getränke im Garten oder – jetzt haltet euch fest – bei UNS ZUHAUSE – benötigt werden. JA – ihr habt richtig gelesen. Wenn alle Stricke reißen wird der Hochzeitskaffee bei uns Zuhause serviert. Hatte ich das nicht gestern noch befürchtet?

Dazu muss man ergänzend sagen, dass unsere Wohnung sehr zentral liegt. Alle, die vom Standesamt zum Kaffee kommen wollen, können zu uns laufen. Das Restaurant, in dem die eigentliche Feier dann abends stattfindet, ist auch bei uns um die Ecke. Allerdings werden zusätzlich zu den 24 Gästen, die sowieso zum Standesamt kommen, bestimmt noch einige auftauchen, von denen dann wiederum einige mit zum Kaffee kommen. Unsere Wohnung ist zwar groß – aber Sitzgelegenheiten für so viele, die haben wir dann doch wieder nicht. Also weiterhin DAUMEN DRÜCKEN, dass das Wetter mitspielt. Denn wenn nicht, habe ich zwar den Vorteil, dass ich die Hochzeitstorte nicht in allen Einzelteilen am Freitag ganz früh morgens im Garten stapeln und dekorieren muss, doch ich habe die Vorbereitungen für einen Gästeansturm von 30 Personen zusätzlich noch einzuplanen. Dazu gehört ja auch eine saubere Wohnung. Und ich will nicht wissen, wie meine Küche nach der ganzen Backerei und dem Dekorieren aussehen wird.

Was ich bisher zum obigen Thema auch noch nicht erwähnt habe – ich bin ein miserabler Gastgeber. Zumindest sagt das mein eingetragener Lebenspartner über mich. Und er hat ja Recht. Ich mache alles für meine Gäste – bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie bei uns Zuhause sind. Also – Wohnung auf Vordermann bringen, ALLES einkaufen, damit von allem auf jeden Fall zu viel da ist. Sämtliche Getränke sind gekühlt, alles Essen steht bereit und was auf die Ohren gibt es auch. Doch dann heißt es bei mir Selbstbedienung. Denn im Normalfall feiern wir mit Freunden – und die dürfen sich bei mir selbst bedienen. Das ist ganz praktisch, denn bei uns gibt es einen großen Partykühlschrank, der prädestiniert dafür ist. Er steht in einer kleinen gemauerten Ecke relativ unscheinbar und für alle leicht zu erreichen. Die Küche, in der sich sowieso der lustige Teil jeder Party abspielt wird eher zum Rauchen genutzt – und schmutziges Geschirr wird von den Anwesenden auch gleich in die Spülmaschine gestellt. So läuft das unter Freunden halt ab. ABER – an dem Tag sind ja auch Fremde mit dabei. Da muss ich mich schon etwas mehr anstrengen. Ich werde mein Bestes geben und immer für sämtlichen Nachschub sorgen. Soweit mein Plan.

Mittwoch, 13. Mai 2015

Es wird am Freitag nicht regnen. Das sagen zumindest sämtliche verfügbare Wetter-Seiten im Internet. Das erleichtert mich ungemein, da ich mich jetzt auf die Torte konzentrieren kann und nicht auch noch die Wohnung für 24+ Gäste herrichten muss. Puh – nochmal davon gekommen. Nach der Arbeit noch kurz einkaufen gehen und dann werde ich mit dem Backen beginnen. Ganz ehrlich – ich habe ein gutes Gefühl. In der Mittagspause gerade nochmal ein YouTube-Tutorial angesehen – war auch nichts Neues dabei – also: Läuft!

Das Backen hat begonnen und läuft sehr gut. Die zwei Vanillekuchen für die untere Torte, die zwei Schoko-Biskuit für die Mittlere und die zwei kleinen Biskuit für die obere Torte sind gelungen. In Folie eingepackt dürfen sie jetzt über Nacht ruhen – und werden hoffentlich schnittfest. Danach habe ich noch die Vollmilch-Schokoladen-Ganache gemacht und bin so gegen 01:00 Uhr ins Bett gefallen. Für Morgen, Donnerstag, Feiertag und Anreisetag der Hochzeitsgesellschaft habe ich mir mal den Wecker für 07:00 Uhr gestellt. Muss ja die einzelnen Kuchen fertig stellen. Gute Nacht.

Donnerstag, 14. Mai 2015 – Christi Himmelfahrt, Vatertag

Vor lauter Aufregung bin ich schon vor dem Wecker wach geworden. Mein erster Gang ging natürlich gleich an den Kühlschrank. Noch bevor ich meinen ersten Kaffee hatte, habe ich schon den ersten Kuchen aufgeschnitten. Ich konnte es einfach nicht erwarten und es lief gut. Sehr gut. Dann habe ich aber erst die Erdbeer-Quark-Creme hergestellt, damit sie etwas andicken kann, bevor ich die Torte dann mit Hilfe eines Tortenrings befülle. Die zeitliche Reihenfolge, wann ich die einzelnen Schritte abgearbeitet habe, bekomme ich nicht mehr hin. Genauso habe ich ab und an ganz einfach vergessen, Bilder zu machen. Seht es mir also bitte nach, dass ich nicht jeden Schritt wie gewohnt festgehalten habe. Ich kann euch nur sagen, dass nach und nach die einzelnen Torten im Kühlschrank gelandet sind. Eingestrichen mit Ganache und es fehlte nur noch der Fondant.

Als kleine Abwechslung zwischendurch musste natürlich auch das Bräutigam-Paar sowie die weiteren Gäste aus Berlin begrüßt auch kennen gelernt werden. Das führte dann zwar zu einer Unterbrechung des Herstellungsprozesses, aber das tat mir auch gut. So eine kleine Pause.

Nach der willkommenen Pause habe ich dann die Torten mit Fondant eingeschlagen und war froh, dass auch hier keine Komplikationen auftraten. Der Plan war ja, die Torte im Garten fertig zu stellen. Also steckte ich noch die zurecht geschnittenen Stäbe in die unteren zwei Torten und stellte sie zurück in den Kühlschrank. Somit war sicher gestellt, dass die oberen Torten nicht nach unten versinken.

Freitag, 15. Mai 2015 – Hochzeitstag, Horror-Morgen, Hektik und Organisation

Es SOLLTE doch nicht regnen. Tat es aber – 06:00 Uhr morgens – Nachricht auf meinem Telefon: „Hilfe Robby – DAS WETTER“. Ich öffnete meine müden Augen, las die Nachricht und schaute aus dem Fenster. Dunkle Wolken und REGEN. Das Schlimmste was passieren konnte, passierte. Die Wettervorhersage lag so daneben wie nur möglich. Was das zu bedeuten hatte: ALLES was bis zum Vortag für den Kaffee in den Garten geschafft wurde musste zu uns nach Hause. Gleichzeitig musste ich erstens: die Torte fertig stellen und zweitens: die Wohnung so schnell wie möglich auf Besuch einrichten. Und das war das Schlimmste. Wenn man nicht auf Besuch eingestellt ist und dann 25 Personen kommen von denen auch noch ein paar Fremde dabei sind. Man möchte sich ja nicht unbedingt blamieren. Also – Wohnung auf- und umräumen, Dinge kurzerhand in einen privaten Raum (sprich Schlafzimmer) packen. Dann die Getränke und was noch alles herschaffen. Und im Hinterkopf immer: UM 11:30 UHR wird geheiratet!!!!!

Aber auch das war dann irgendwie erledigt. Fragt mich bitte nicht wie, es war einfach so. Spontan konnte unserer Freundin jemand im Garten helfen, dann hatten wir beim in die Wohnung schaffen noch helfende Hände und die Torte habe ich nebenher relativ unentspannt auch noch fertig gestellt und in einem Zimmer verstaut – sollte ja eine Überraschung werden.

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UND DIE ÜBERRASCHUNG IST GELUNGEN. Als dann alle Gäste und das Bräutigam-Paar bei uns versammelt waren und jeder sein Getränk hatte brachte ich die Torte herein. Und zu meinem Glück und zu meiner großen Erleichterung hat sie auch allen Anwesenden gefallen. Ihr könnt euch vorstellen, dass mir ein Riesenstein vom Herzen gefallen ist. Und wie immer in solchen Situationen habe ich ab dem Moment das Ganze auch genießen können. Inklusive eines Stücks meiner eigenen ersten Hochzeitstorte.

Ganz zu schweigen natürlich, dass ich mich für die Beiden freue, dass sie diesen Schritt gewagt haben.

Samstag, 16. Mai 2015 – der Tag danach

Ich sitze jetzt hier – sortiere die Bilder, schreibe diesen Beitrag zu Ende und bin schon etwas wehmütig. Es war für mich schon eine große Herausforderung und ich will mich ja nicht selbst loben – oder nur ein bisschen – doch ich bin tatsächlich auch etwas stolz auf mich selbst. Klopfe mir selbst auf die Schulter und sage GUT GEMACHT 🙂

Jetzt hoffe ich nur, dass ihr es bis hierher geschafft habt und ihr den Beitrag gerne gelesen habt. Ich beende jetzt auch diesen Riesenbericht. Morgen werde ich dann nochmal Korrektur lesen und dann ins Netz stellen. Mag der Bericht auch ein kleines Erinnerungsdokument für die Beiden sein.

Ganz liebe Extragrüße an alle Helfer und Test-Esser, Ideengeber und Kritiker.
Eurer
Robby(licious)

25 Kommentare zu “Hochzeitstorte (überschätzt unterschätzt verschätzt) – oder – Warum habe ich nicht auf meine innere Stimme gehört?

  1. Maike sagt:

    Respekt! Sieht sehr schön aus dein Erstlingswerk. Und wenn ich das so lese, dann hat die Torte bestimmt wunderbar geschmeckt.
    Falls du mal in die Verlegenheit kommst und für mich Backen musst, ich mag Marzipan.;)

    Gefällt 1 Person

  2. Dina sagt:

    WOW, I’M IMPRESSED!! 🙂 Die Torte sieht fantastisch aus und die Geschichte, weil so voller Begeisterung, kam mir gar nicht lang vor. Ja, Robby, das hast du echt gut gemacht! 🙂
    Beste Grüße,
    Dina

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  3. Zaubermondin sagt:

    Bin SEHR begeistert! Das hast Du ganz toll gemacht. Die Torte ist ein Träumchen!

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  4. Was für eine schöne Geschichte – Glückwunsch an das Bräutigampaar und natürlich auch an Dich, dass Du dieses Wagnis auf Dich genommen und so super gemeistert hast. Alle Achtung!
    Liebe Grüße,
    Meike

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  5. ganz ganz Tollll! und Glückwünsche an das Paar!

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  6. cynthiamvoss sagt:

    Fantastic job! What a beautiful cake and a nice thing to do for your friends! I’m sure they appreciate your efforts. Congrats!

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  7. Bine sagt:

    Hey Robby – die sieht sensationell aus!!! Da haben sich die Bräutigams bestimmt super gefreut. Wir probieren jetzt am WE deine Sachertorte für Susi aus. Hoffe, das klappt 😮

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  8. […] in meinem Erfahrungsbericht über meine erste Hochzeitstorte bereits angekündigt, folgen hier erst einmal die Rezepte der verschiedenen […]

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  9. marichen21 sagt:

    Wunderschöne Torte! ❤

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  10. Guido sagt:

    Da darfst du dir gerne auf die Schulter klopfen! Das hast du toll gemacht und schön geschrieben!

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  11. […] dritten und letzten Beitrag in meiner Hochteitstorten-Reihe möchte ich wie versprochen die verschiedenen Füllungen, die verwendete Ganache und einen kleinen […]

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  12. Hallo Robby,

    ich kann deine Aufregung so verstehen wie du weißt. Da hat mein Daumendrücken für die erste Hochzeitstorte ja geholfen! 😉 Super schaut sie aus und geschmeckt hat sie auch. Trotz aller gelassenen Nerven also alles richtig gemacht 🙂 Toll!

    LG Jule

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  13. Es ist einfach ein Tortentraum ! Respekt… Hab ja schon beim anderen Beitrag meinen Wunsch dagelassen 😉 …

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  14. […] eingefroren. Ich musste die restlichen Eier verwerten, die von meinen vielen Backproben für die Hochzeitstorte übrig waren. Und da ich meine neue Liebe – den einfachen Biskuit – so gerne esse, lag […]

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  15. […] für das Wochenende Besuch aus Berlin angemeldet hatte. Das Brautpaar, für das ich meine erste Hochzeitstorte machen durfte, feierte den ersten Hochzeitstag und machte auf der Durchfahrt einen Halt für zwei […]

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