Florentiner Kirschkuchen (damals heute morgen)

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Ich gebe es zu – ich hab nicht nur ziemlich nah am Wasser gebaut – mein Pipi-In-Den-Augen-Haus steht mitten im Tränensee. Wenn in einem Film schon die Musik anfängt leicht traurig zu werden, stellen sich bei mir schon die kleinen Nackenhaare und die Tränendrüsen stehen in den Startlöchern.

In dem Animationsfilm Ratatouille (meine Güte – der ist von 2007!!!!) gibt es eine Szene, in der der Restaurantkritiker Anton Ego eben jenes Ratatouille zu essen bekommt und man sieht, wie es ihn beim ersten Bissen in die Zeit als kleiner Junge an den Tisch seiner Mutter zurückversetzt. DAS ist so eine Stelle, an der bei mir schon allein der Gedanke daran, den Wasserpegel in den Augen steigen lässt. Wobei das Augenmerk jetzt nicht auf meine kleinen Wasserfälle zu richten ist – sondern darauf, dass Essen Kindheitserinnerungen zurück bringen kann.

Und ob ihr es mir glaubt oder nicht – dieser Florentiner Kirschkuchen hat das doch tatsächlich bei mir geschafft. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich jemals einen solchen Kuchen gegessen habe. Es müssen wohl die Zutaten sein – die Kombination von Nussbiskuit mit dem süßen Mandel-Deckel und den Kirschen. Dazu noch ein Hauch Zimt und Schokolade.

Ich sah mich beim ersten Bissen sofort an einem der vielen Kuchen-Buffets stehen, die auf Taufen, Kommunionen, Konfirmationen und Hochzeiten so übervoll vor einem aufgebaut waren. Wo Tante Emma eifersüchtig auf den tollen Apfelkuchen von Tante Christa geschielt hat. Und sich geschworen hat, sie beim nächsten Fest zu übertrumpfen. (Die Namen wurden von mir nicht geändert – diese Tanten gibt es wirklich). Als Kind stand man doch davor und konnte es kaum erwarten, dass das Hauptgericht doch recht bald serviert wird, um so schnell wie möglich zu essen und ab dann sofort zu gängeln, wann es denn endlich den erhofften Kuchen gibt. Die Zeit bis zur Eröffnung des Kuchenbuffets kam einem als Kind so unfair lange vor. Und wir fanden unsere Eltern „total doof“.

Jetzt freue ich mich schon darauf, euch diesen Kuchen zu präsentieren. Der lieben Eva von IchMussBacken habe ich das Rezept abgeluchst. Schaut doch mal bei ihr vorbei – da gibt es ganz viele tolle Rezepte zu entdecken. Diesen Kirschkuchen werde ich mit Sicherheit nicht das letzte Mal gebacken haben. Er ist aufwendig – ja – etwas Zeit müsst ihr mitbringen. Doch die einzelnen Backvorgänge sind einfach zu bewältigen. Bei fast allem habe ich mich an ihr Rezept gehalten – nur minimale Änderungen. Hier zeige ich euch meine Version. Und jetzt kann es auch schon los gehen:

Zutaten:
Mürbteig:

300 gr. Mehl
100 gr. Zucker
200 gr. Butter (kalt und kleine Stücke)
1 Eigelb
1 P. Vanillezucker
1 Zitrone (hiervon der Abrieb)

Biskuitmasse:
6 Eier
210 gr. Zucker
220 gr. Mehl
70 gr. Butter (geschmolzen und leicht abgekühlt)

zusätzlich für das Nussbiskuit:
100 gr. Haselnüsse (gemahlen)
1 TL Zimt
1 TL Kakaopulver
2 Gläser abgetropfte Schattenmorellen (ca. 750 gr.)

Florentinermasse:
150 gr. Zucker
50 gr. brauner Zucker
150 gr. Butter
60 gr. Milch
150 gr. Mandelplättchen

zusätzlich benötigt Ihr:
1 Springform 30cm mit Backpapier ausgelegt
1 Backrahmen auf Backpapier auf Backblech (30cm eingestellt)
oder eine weitere Springform mit 30cm und mit Backpapier ausgelegt
Backpapier und Linsen für das Blindbacken
1 kleiner Topf für die Butter
1 Topf für die Florentinermasse

Herd bei 180°C UMLUFT (da wir manchmal zwei Bleche im Ofen haben werden)

Kurze Info zum Ablauf:
Zuerst stellen wir den Mürbeteig her. Während er im Ofen ist kümmern wir uns um die Biskuitmasse. Diese benötigen wir zu 1/3 für den Deckel und zu 2/3 für die Füllung.
Für den Deckel füllen wir 1/3 in den vorbereiteten Backrahmen und backen den Deckel aus.
Die 2/3 Masse wird ergänzt mit den Zutaten für den Nussbiskuit. Ist dann der Deckel und der Kuchen im Ofen, stellen wir die Florentinermasse her und geben sie auf den Deckel und backen den Deckel fertig. Dann lassen wir beide Teile auskühlen und setzen dann den Deckel auf den Kuchen.

Das hört sich im ersten Moment chaotisch an – aber ich war überrascht, dass alles quasi nach und nach und relativ entspannt gemacht werden kann.

Herstellung:

Zuerst stellen wir aus Mehl, Zucker, Butter, Eigelb, Vanillezucker und dem Abrieb einer Zitrone den Mürbteig her. Alle Zutaten zügig zu einem Teig verarbeiten. Ich persönlich forme hier schon mal einen runden Teig (naja eher eckig/rund) und schlage ihn in Frischhaltefolie ein. Und dann mindestens eine halbe Stunde in den Kühlschrank. Dann habt ihr nachher weniger Probleme beim Ausrollen.

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Während der Mürbteig im Kühlschrank ist, solltet ihr für die weiteren Schritte schon einmal die Zutaten herrichten. Auch ist das ein guter Zeitpunkt die Springform und den Backrahmen vorzubereiten. Dann habt ihr die Wartezeit gut genutzt und wenn es dann richtig los geht viel weniger Stress – glaubt es mir. Ein Tässchen Kaffee zwischendurch tut auch gut. Bevor ihr den Mürbeteig ausrollt könnt ihr auch schon den Ofen aufheizen – 180°C Umluft.

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Nach der Ruhephase den Mürbeteig ausrollen und in die Springform legen. Dabei den Rand hochziehen und mit Hilfe von Backpapier und Linsen ca. 12 Minuten blindbacken – ohne Backpapier und Linsen besteht die Gefahr, dass euch der Rand absackt – muss nicht sein.

Während der Boden im Ofen ist stellen wir den Biskuit her. Dafür zuerst die Butter in einem kleinen Topf schmelzen und zur Seite stellen. Während die Butter schmilzt die Eier mit dem Zucker ca. 8 – 10 Minuten mit einem Mixer schaumig schlagen. Das Volumen sollte sich verdreifacht haben. Das Mehl auf einmal in die Masse sieben und mit einem Spatel unterheben. Zum Schluss die Butter dazu geben und ebenfalls unterheben.

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Ihr habt jetzt die Masse fertig und in der Zwischenzeit dürfte auch die Blind-Backzeit für den Mürbteig fertig sein.

Von der Biskuitmasse gebt ihr ca. 1/3 in den vorbereiteten Backrahmen. Es soll ein dünner Biskuitboden entstehen. Den dann gleich für 11 Minuten in den Ofen geben.

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In die restliche Masse die zusätzlichen Zutaten unterheben – Haselnüsse, Kakao, Zimt mit einer kleinen Gabel vermischen, damit ihr keine Klümpchen habt. Gebt diesen Nussbiskuit dann in den vorgebackenen Mürbteig und verteilt die Schattenmorellen gleichmäßig. Dann geht auch das für 35 Minuten in den Ofen.

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Jetzt backt ihr gerade den Deckel und den eigentlichen Kuchen gleichzeitig im Ofen.

Es fehlt noch die Florentinermasse für den Deckel.

Gebt alle Zutaten in einen kleinen Topf und lasst alles kurz aufkochen. Es sollte eine leicht klebrige Masse werden, die noch ein bisschen flüssig ist.

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In der Zwischenzeit sollten die 11 Minuten für den Deckel auch vorbei sein. Gebt die Florentinermasse auf den Deckel und noch einmal für 13 Minuten zurück in den Ofen. Die Mandeln sollten leicht gebräunt sein.

Bei mir war es so, dass der Deckel als erstes fertig war und der Kuchen (STÄBCHENPROBE) nach genau 35 Minuten. Obwohl ich zuerst dachte, durch die doch etwas saftigeren Schattenmorellen würde sich die Backzeit verlängern, aber so war es nicht.

Den Deckel habe ich etwas abkühlen lassen und bin dann mit einem kleinen scharfen Messer am Rand entlang gefahren. Ist der Deckel erst einmal komplett erkaltet, wird es schwierig.

Sind dann der Deckel und der Kuchen vollkommen abgekühlt könnt ihr endlich vereinen, was zusammen gehört.

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Jetzt bin ich schon gespannt, wen ich zum Nachbacken animieren konnte.

Ganz liebe Grüße
Robby(licious)

8 Kommentare zu “Florentiner Kirschkuchen (damals heute morgen)

  1. Ich mag ausführliche Rezepte/Berichte. Ich mache das auch immer so, fürchte nur, das niemand das bis zum Ende liest 😦

    Gefällt 1 Person

  2. Mona sagt:

    Wow – was für ein toller Kuchen! Könnte direkt reinbeißen 😉

    Gefällt 1 Person

  3. Lieber Robby,
    der ist toll geworden 🙂 ! Ich stimme dir völlig zu – ja, der Kuchen ist aufwendig, aber das Ergebnis lohnt sich auf jeden Fall!
    Uff, irgendwie bin ich jetzt ganz erleichtert, dass meine Anleitung nachvollziehbar war 😉 .
    Liebe Grüße, Eva

    Gefällt 1 Person

  4. […] Neues auf ihrem Blog veröffentlicht. Ich habe ja schon mehrere tolle Sachen nachgebacken. Dem Florentiner Kirschkuchen von ihr habe ich auch einen Beitrag […]

    Gefällt mir

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